Abschlußdokumentation


Schloß Charlottenburg - Nehringbau


Sanierung des Hauptgesimses
und der Balustrade
über dem Spiegelsaal



Gewerk: Stuck- und Putzarbeiten DIN 18350

Ausführende Firma: Stuck Nagel GmbH
Autor: Wolf-Dieter Nagel


Ausführungsbeginn: 15.September 1998
Fertigstellung der Arbeiten: 03.Mai 1999


Inhaltsverzeichnis

  1. Zweck der Sanierung

  2. Zustand vor Beginn der Arbeiten
    1. Putzflächen
    2. Fries und Architravgesims
    3. Gewölbter Fenstersturz
    4. Mauerwerksrisse
    5. Halbrunde Säulen
    6. Geputzte Basen
    7. Erdgeschoß Rustikabereich
    8. Sockelbereich

  3. Sanierungsmaßnahmen
    1. Vorbereitende Maßnahmen
    2. Putzflächen
    3. Fries und Architravgesims
    4. Gewölbter Fenstersturz
    5. Mauerwerksrisse
    6. Halbrunde Säule
    7. Geputzte Basen
    8. Erdgeschoßbereich Rustika
    9. Sockelbereich

  4. Zustand nach Beendigung der Arbeiten

  5. Maßnahmen zum Erhalt der Sanierungsmaßnahmen

  6. Zeichnungen


1 Zweck der Sanierung

An der Gartenseite des Schlosses Charlottenburg im Bereich des vorgebauten ovalen Mittelbaus (Neringbau) wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen.

In diesem Bereich wurde das aus Naturstein bestehende Hauptgesims mit der Balustrade neu hergestellt bzw. restauriert. Die gesamte Terrassendecke wurde erneuert einschl. der darunterliegenden Rabitzdecke.

Weitere Baumaßnahmen wie Putzarbeiten im Bereich der Terrassenwand, Fassadenanstricharbeiten, Klempnerarbeiten sowie die hier beschriebenen Stuck- und Putzarbeiten gehörten mit zu den Sanierungsmaßnahmen.



2 Zustand vor Beginn der Arbeiten

2.1 Putzflächen

Die Putzflächen wiesen eine hohe Fesrtigkeit auf. Diese Putzfestigkeit entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. In Teilbereichen zeigten die Putzflächen Haarrisse, welche von der zu hohen Putzfestigkeit stammen. Diese Haarrisse besitzen keine negativen Eigenschaften für den Putz und für den Untergrund. Oberhalb des Kämpferpunktes der Fenster waren größere Risse zu erkennen, welche auf Mauerwerksrisse schließen liessen. Diese Risse begannen unterhalb des aus Naturstein bestehenden Hauptgesimses.
In Teilbereichen war der Putz ausgewaschen und rauh.




2.2 Fries und Architravgesims

Das Fries- und Architravgesims war aus Mörtelgruppe III hergestellt, was nicht dem heutigen Stand der Technik entspricht. Aus diesem Grund befanden sich zahlreiche Haarrisse im Gesims, welche auf die hohe Festigkeit zurückzuführen sind, die allerdings keine negativen Auswirkungen auf das Gesims und das darunterliegende Mauerwerk haben. Aufgrund der hohen Festigkeit des Putzes war die Oberfläche nicht ausgewaschen.
Es waren im Bereich über den Fenstern größere Risse zu erkennen, welche auf Mauerwerksrisse schließen liessen.


Fries und Architravgesims


2.3 Gewölbter Fenstersturz

Als oberer Abschluß des gewölbten Fenstersturzes befand sich ein profiliertes Stuckgesims, daß vor Ort aus Beton gezogen wurde. Das Gesims endete an den Kämpferpunkten an einem Kapitel aus Naturstein. Die Ausladung betrug ca. 8 cm und war nicht mit Blech abgedeckt. Aus diesem Grund war das Gesims durch die ständige Regenbelastung sehr ausgewaschen. In dem Gesims befanden sich wie oben bereits beschrieben Haarrisse sowie Mauerwerksrisse.


Gewölbter Fenstersturz


2.4 Mauerwerksrisse

Wie zuvor beschrieben befanden sich unterhalb des natursteinernden Hauptgesimses Mauerwerksrisse, die teilweise bis hinunter zu den Scheitelpunkten der Fenster führten und auch durch das Architravgesims verliefen. Pro Fassadenfeld gab es bis zu drei Mauerwerksrisse.
Nach dem Abschlagen der Putzflächen im Bereich der Risse erkannte man, daß sie sich zum größten Teil durch die Fugen aus Mörtelgruppe I zogen, in wenigen Bereichen verlief der Riß durch die Steine.
Nach Angaben des Statikers sind diese durch die Neuherstellung der Terrassendecke entstanden. Allerdings kann man solche Risse am gesamten Schloß wiederfinden.


Mauerwerksrisse


2.5 Halbrunde Säulen

Die Säulen machten äußerlich einen guten Eindruck, der Putz war nicht ausgewaschen und zeigte keine Risse. Allerdings gab es zahlreiche Hohlstellen. Die Hohlstellen machten etwa 60% der gesamten Fläche aus. Diese beruhten auf der Tatschache, daß die Säulen mit einem zu hohen Zementanteil geputzt wurden. Nachdem Teilbereiche abgeschlagen wurden zeigte sich, daß die Putzdicke sehr unterschiedlich war; in wenigen Bereichen reichten die Mauersteine bis an die Oberfläche.


Halbrunde Säulen


2.6 Geputzte Basen

Unterhalb der Säulen gab es eine Basis aus Naturstein, worunter sich wiederum eine geputzte Basis befand, die zu einem Großteil nicht mehr erhaltenswert war. Die Basis bestand aus Mörtelgruppe II.


Geputzte Basen


2.7 Erdgeschoß Rustikabereich

Der Rustikabereich im Erdgeschoß wurde schon mehrfach ausgebessert. Durch die mehrfachen Sanierungen ist die Struktur der Füllungen der Bossen sehr unterschied lich ausgeführt worden, so daß keine einheitliche Optik vorhanden ist. In mehreren Bereichen wurden die Anschlüsse zu den Fenstern neu hergestellt. Dabei zeigten sich Risse zu dem vorhandenen alten Putz.
Die meisten Fehlstellen befanden sich im Bereich der Fenster und Türen, da der zu harte Putz nicht richtig vom Holz durch einen Fugenschnitt getrennt war. In Teilberei chen wurden diese Fehlstellen schon ausgebessert, jedoch nicht gestrichen.




2.8 Sockelbereich

Im Sockelbereich zeigten sich Putzabplatzungen im erdnahen Bereich. Gleichzeitig gab es in Teilbereichen Algenbefall. Im oberen Bereich des Sockels gab es keine äußeren Beschädigungen. Im Anschluß an die Fenster wurde bereits nachgearbeitet und nicht gestrichen. Der Sockelputz stand über den Fensterrahmen.
Der Sockelputz war fest, so daß man eine Festigkeit der Mörtelgruppe III vermuten konnte.


Sockelbereich


3 Sanierungsmaßnahmen

3.1 Vorbereitende Maßnahmen

Die gesamt Fassadenfläche wurde vor Beginn der Arbeiten eingehend in Bezug auf weitere Erhaltenswürdigkeit (Festigkeit, Zementanteil und Hohlstellen) untersucht. Fehlstellen wurden angezeichnet und nach Begutachtung der Bauletung zum Ab schlagen freigegeben. Gemäß Ausschreibung wurde festgelegt, daß für sämtliche Stuck- un Putzarbeiten ein Mörtel der Gruppe P II a verwendet wird.




3.2 Putzfläche

Die Putzflächen wurden im Bereich der Mauerwerksrisse mittels eines Winkelschleifers eingeschnitten und freigestemmt (siehe 4.5 Mauerwerksrisse). Lose Fugen wurden ausgekratzt und das Mauerwerk mittels Stahlbesen gereinigt. Das Mauerwerk wurde gemäß der Ausschreibung mit einem Bayosan Spritzbewurf Multi 61 nicht volldeckend versehen. Als Oberputz erfolgte ein zweilagiger Kalkzementputz der Mörtelgruppe P IIa. Allerdings konnte nicht in allen Bereichen zweilagig geputzt werden, da die Putzstärke dies nicht zuließ. In diesen Bereichen wurde nur einlagig geputzt werden.
Die Oberfläche wurde leicht rauh hergestellt, da der Altbestand ebenfalls rauh war und die gesamte Oberfläche nicht mit einem Feinputz versehen werden sollte.


Putzfläche


3.3 Fries- und Architravgesims

Das Fries- und Architravgesims wurde mittels Winkelschleifer im Bereich der Mauerwerksrisse eingeschnitten und freigestemmt (siehe 4.5 Mauerwerksrisse). Lose Fugen wurden ausgekratzt und das Mauerwerk mittels Stahlbesen gereinigt. Das Mauerwerk wurde gemäß Ausschreibung mit einem Bayosan Spritzbewurf Multi 61 vorgespritzt und in Schablonentechnik an einem selbst angeschlagenen Lattengang in Mörtelgruppe P IIa gezogen.
Vorhandene Haarrisse wurden mit einem Mörtel der Gruppe P II a zugeschlemmt.


Fries- und Architravgesims


3.4 Gewölbter Fenstersturz

Die ausgewaschene Abdeckung der Gesimse wurde komplett überarbeitet. Risse wurden mittels Winkelschleifer aufgeschnitten und zugeputzt. Die ausgewaschenen Anschlußbereiche zu den Natursteinen wurden überarbeitet.


Gewölbter Fenstersturz


3.5 Mauerwerksrisse

Die schadhaften Mauerfugen im Bereich der Mauerwerksrisse wurden ausgekratzt. Den Rißverlauf folgend wurden alle ca. 30 cm Bohrlöcher zur Aufnahme der Kunst stoffschraubpacker gebohrt. Die Bohrlöcher wurden gereinigt und mit Wasser ausge spült, anschließend die Schraubpacker in die Bohrkanäle eingedreht und die Ver schlußstücke aufgeschraubt. Die Schraubpacker wurden mit zementhaltigen Material festgelegt und die Risse an der Oberfläche verputzt.
Zur Systemüberprüfung wurde von dem untersten Packer beginnend Wasser injiziert, bis das Wasser beim darüberliegendem Packer austrat. Nach erfolgter Prüfung war der Riß zur Injektion vorbereitet.
Für die Verpressung wurde Tricodur der Firma Tricosal verwendet. Tricodur ist ein einkomponentiges, gebrauchsfertiges Bindemittel auf Feinzementbasis für Niederdruck-Injektion und wurde mit dem Tricosal-Mischcenter bei 4000 U/min gebrauchsfertig angerührt. Mit einer handbetriebenen Injektionspresse wurde das zementöse Material in die Packer injektiert, bis die Masse aus den darüberliegendem Packer austrat.
Nach Erhärtung der injektierten Masse wurden die Packer demontiert und zugeputzt.


Mauerwerksrisse


3.6 Geputzte Basen

Sämtliche losen Teile der Basen wurden abgeschlagen, das Mauerwerk gereinigt, mit Bayosan Vorspritz Multi 61 vorgespritzt und anschließend mit Kalkzementmörtel gemäß der vorhandenem Struktur geputzt.


Geputzte Basen


3.7 Halbrunde Säulen

Die halbrunden Säulen wurden zu etwa 60% abgeschlagen, lose Fugen ausgekratzt und mit einem Bayosan Vorspritz Multi 61 vorgespritzt. Nach ausreichender Erhärtung des Vorspritz wurden die Säulen entsprechend der ursprünglichen Form mit Kalkzementmörtel zweilagig, in Teilbereichen aufgrund der geringen Putzdicke nur einlagig geputzt und glatt gerieben.


Halbrunde Säule


3.8 Erdgeschoß Rustikabereich

Die durch die Bauleitung als schadhaft festgelegten Fassadenstücke wurden mittels Winkelschleifer eingeschnitten, abgeschlagen, vorgespritzt und die profilierten Nuten nachgezogen. Die Bossen wurden mit Kalkzementmörtel ausgeputzt und die Oberfläche mittels einem Nagelbrett gemäß der vorhandenen Struktur hergestellt.




3.9 Sockelbereich

Gemäß der Ausschreibung wurde der gesamte Sockelputz abgeschlagen. Dabei zeigte sich, daß der Oberputz wesentlich fester war als die zum Mauern verwendeten Steine, so daß die Oberschicht der Steine beim Abschlagen mit abplatzten. Das oberhalb des Sockels gelegene Sockelgesims ist in Teilbereichen aufgrund des festen Verbundes mit dem Sockel in einigen Eckbereichen mit abgefallen.
Die mittlere Putzstärke betrug 5 cm, wobei in Teilbereichen eine Putzdicke von bis zu 8 cm auftrat.
Nachdem der Putz abgeschlagen war, wurde das Mauerwerk von losen Bestandteilen mittels Stahlbesen gereinigt und die losen Fugen ausgekratzt.
Die Fläche wurde zu ca. 60% mit einem Bayosan Saniervorspritz vorgespritzt und aufgrund der großen Putzdicken mit einem Bayosan Porengrundputz SA 68 als Unterputz geputzt. Als Oberputz kam ein Bayosan Sanierputz fein SP 64 F mit einer Putzdicke von 16 mm zur Anwendung.
Aufgrund der großen Putzdicke mußte gemäß der Herstellerangabe eine lange Standzeit von ca. 40 Tagen zwischen dem Unter- und dem Oberputz eingehalten werden.
Die beim Abschlagen abgefallenen Sockelgesimsbereich wurden ebenfalls mit Bayosan Sanierputz vorgeworfen und mit Kalkzementmörtel der Gruppe P II a gemäß vorhandener Struktur in Schablonentechnik gezogen.


Sockelbereich


Sockelbereich


4 Zustand nach Beendigung der Arbeiten

Sämtliche Fehlstellen, Risse und nicht mehr erhaltenswürdige Fassadenteile wurden abgeschlagen und saniert. Da nicht die gesamte Fassadenfläche behandelt wurde, kann es trotz sorgfältigem Angleichen Strukturuntersciede zwischen den Alt- und Neuputzstellen geben. Aufgrund des speziellen Anstriches sind diese Unterschiede nach dem Abrüsten allerdings nicht zu erkennen.


Fassadenansicht


5 Maßnahmen zum Erhalt der Sanierungsmaßnahme

Nach genügender Austrocknung der neu hergestellten Flächen muß die Fassade grun diert und mindestens zweimal mit einem atmungsaktiven Anstrichsystems gestrichen werden. Dies ist notwendig, um einen optimalen Schutz gegen Witterungseinflüsse zu bieten und dem Mauerwerk ein Austausch von Wasserdampf zu ermöglichen.
Auf dem Sanierputz im Sockelbereich muß unbedingt ein hochatmungsaktiver Anstrich aufgebracht werden, da sonst die Funktionen des Sanierputzes nicht gewährleistet sind. Es ist zu bedenken, daß ein Sanierputz kein dauerhafter Schutz gegen Durch feuchtungen des Mauerwerkes ist, da seine Aufnahmefähigkeit für aufsteigende Salze begrenzt ist.
Die bestehende bzw. neu zu montierenden Zinkbleche müssen gegen eindringendes Wasser dauerhaft geschützt werden.




6 Zeichnungen

Teilansicht Fassade

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