An der Gartenseite des Schlosses Charlottenburg im Bereich des vorgebauten ovalen
Mittelbaus (Neringbau) wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten vorgenommen.
In diesem Bereich wurde das aus Naturstein bestehende Hauptgesims mit der Balustrade neu hergestellt bzw. restauriert. Die gesamte Terrassendecke wurde erneuert
einschl. der darunterliegenden Rabitzdecke.
Weitere Baumaßnahmen wie Putzarbeiten im Bereich der Terrassenwand, Fassadenanstricharbeiten, Klempnerarbeiten sowie die hier beschriebenen Stuck- und Putzarbeiten gehörten mit zu den Sanierungsmaßnahmen.
Die Putzflächen wiesen eine hohe Fesrtigkeit auf. Diese Putzfestigkeit entspricht nicht
mehr dem heutigen Stand der Technik. In Teilbereichen zeigten die Putzflächen
Haarrisse, welche von der zu hohen Putzfestigkeit stammen. Diese Haarrisse besitzen
keine negativen Eigenschaften für den Putz und für den Untergrund.
Oberhalb des Kämpferpunktes der Fenster waren größere Risse zu erkennen,
welche auf Mauerwerksrisse schließen liessen. Diese Risse begannen unterhalb des aus
Naturstein bestehenden Hauptgesimses.
In Teilbereichen war der Putz ausgewaschen und rauh.
Das Fries- und Architravgesims war aus Mörtelgruppe III hergestellt, was nicht dem
heutigen Stand der Technik entspricht. Aus diesem Grund befanden sich zahlreiche
Haarrisse im Gesims, welche auf die hohe Festigkeit zurückzuführen sind, die
allerdings keine negativen Auswirkungen auf das Gesims und das darunterliegende
Mauerwerk haben. Aufgrund der hohen Festigkeit des Putzes war die Oberfläche nicht
ausgewaschen.
Es waren im Bereich über den Fenstern größere Risse zu erkennen, welche auf
Mauerwerksrisse schließen liessen.

Als oberer Abschluß des gewölbten Fenstersturzes befand sich ein profiliertes Stuckgesims, daß vor Ort aus Beton gezogen wurde. Das Gesims endete an den Kämpferpunkten an einem Kapitel aus Naturstein. Die Ausladung betrug ca. 8 cm und war nicht mit Blech abgedeckt. Aus diesem Grund war das Gesims durch die ständige Regenbelastung sehr ausgewaschen. In dem Gesims befanden sich wie oben bereits beschrieben Haarrisse sowie Mauerwerksrisse.

Wie zuvor beschrieben befanden sich unterhalb des natursteinernden Hauptgesimses
Mauerwerksrisse, die teilweise bis hinunter zu den Scheitelpunkten der Fenster
führten und auch durch das Architravgesims verliefen. Pro Fassadenfeld gab es bis
zu drei Mauerwerksrisse.
Nach dem Abschlagen der Putzflächen im Bereich der Risse erkannte man, daß sie
sich zum größten Teil durch die Fugen aus Mörtelgruppe I zogen, in wenigen
Bereichen verlief der Riß durch die Steine.
Nach Angaben des Statikers sind diese durch die Neuherstellung der Terrassendecke
entstanden. Allerdings kann man solche Risse am gesamten Schloß wiederfinden.
Die Säulen machten äußerlich einen guten Eindruck, der Putz war nicht ausgewaschen und zeigte keine Risse. Allerdings gab es zahlreiche Hohlstellen. Die Hohlstellen machten etwa 60% der gesamten Fläche aus. Diese beruhten auf der Tatschache, daß die Säulen mit einem zu hohen Zementanteil geputzt wurden. Nachdem Teilbereiche abgeschlagen wurden zeigte sich, daß die Putzdicke sehr unterschiedlich war; in wenigen Bereichen reichten die Mauersteine bis an die Oberfläche.
Unterhalb der Säulen gab es eine Basis aus Naturstein, worunter sich wiederum eine geputzte Basis befand, die zu einem Großteil nicht mehr erhaltenswert war. Die Basis bestand aus Mörtelgruppe II.

Der Rustikabereich im Erdgeschoß wurde schon mehrfach ausgebessert. Durch die
mehrfachen Sanierungen ist die Struktur der Füllungen der Bossen sehr unterschied
lich ausgeführt worden, so daß keine einheitliche Optik vorhanden ist. In mehreren
Bereichen wurden die Anschlüsse zu den Fenstern neu hergestellt. Dabei zeigten
sich Risse zu dem vorhandenen alten Putz.
Die meisten Fehlstellen befanden sich im Bereich der Fenster und Türen, da der zu
harte Putz nicht richtig vom Holz durch einen Fugenschnitt getrennt war. In Teilberei
chen wurden diese Fehlstellen schon ausgebessert, jedoch nicht gestrichen.
Im Sockelbereich zeigten sich Putzabplatzungen im erdnahen Bereich. Gleichzeitig
gab es in Teilbereichen Algenbefall. Im oberen Bereich des Sockels gab es keine
äußeren Beschädigungen. Im Anschluß an die Fenster wurde bereits nachgearbeitet
und nicht gestrichen. Der Sockelputz stand über den Fensterrahmen.
Der Sockelputz war fest, so daß man eine Festigkeit der Mörtelgruppe III vermuten
konnte.

Die gesamt Fassadenfläche wurde vor Beginn der Arbeiten eingehend in Bezug auf weitere Erhaltenswürdigkeit (Festigkeit, Zementanteil und Hohlstellen) untersucht. Fehlstellen wurden angezeichnet und nach Begutachtung der Bauletung zum Ab schlagen freigegeben. Gemäß Ausschreibung wurde festgelegt, daß für sämtliche Stuck- un Putzarbeiten ein Mörtel der Gruppe P II a verwendet wird.
Die Putzflächen wurden im Bereich der Mauerwerksrisse mittels eines Winkelschleifers eingeschnitten und freigestemmt (siehe 4.5 Mauerwerksrisse).
Lose Fugen wurden ausgekratzt und das Mauerwerk mittels Stahlbesen gereinigt.
Das Mauerwerk wurde gemäß der Ausschreibung mit einem Bayosan Spritzbewurf
Multi 61 nicht volldeckend versehen. Als Oberputz erfolgte ein zweilagiger Kalkzementputz der Mörtelgruppe P IIa. Allerdings konnte nicht in allen Bereichen
zweilagig geputzt werden, da die Putzstärke dies nicht zuließ. In diesen Bereichen wurde nur einlagig geputzt werden.
Die Oberfläche wurde leicht rauh hergestellt, da der Altbestand ebenfalls rauh war
und die gesamte Oberfläche nicht mit einem Feinputz versehen werden sollte.

Das Fries- und Architravgesims wurde mittels Winkelschleifer im Bereich der Mauerwerksrisse eingeschnitten und freigestemmt (siehe 4.5 Mauerwerksrisse).
Lose Fugen wurden ausgekratzt und das Mauerwerk mittels Stahlbesen gereinigt.
Das Mauerwerk wurde gemäß Ausschreibung mit einem Bayosan Spritzbewurf
Multi 61 vorgespritzt und in Schablonentechnik an einem selbst angeschlagenen
Lattengang in Mörtelgruppe P IIa gezogen.
Vorhandene Haarrisse wurden mit einem Mörtel der Gruppe P II a zugeschlemmt.

Die ausgewaschene Abdeckung der Gesimse wurde komplett überarbeitet. Risse wurden mittels Winkelschleifer aufgeschnitten und zugeputzt. Die ausgewaschenen Anschlußbereiche zu den Natursteinen wurden überarbeitet.
Die schadhaften Mauerfugen im Bereich der Mauerwerksrisse wurden ausgekratzt.
Den Rißverlauf folgend wurden alle ca. 30 cm Bohrlöcher zur Aufnahme der Kunst
stoffschraubpacker gebohrt. Die Bohrlöcher wurden gereinigt und mit Wasser ausge
spült, anschließend die Schraubpacker in die Bohrkanäle eingedreht und die Ver
schlußstücke aufgeschraubt. Die Schraubpacker wurden mit zementhaltigen Material festgelegt und die Risse an der Oberfläche verputzt.
Zur Systemüberprüfung wurde von dem untersten Packer beginnend Wasser injiziert,
bis das Wasser beim darüberliegendem Packer austrat. Nach erfolgter Prüfung war
der Riß zur Injektion vorbereitet.
Für die Verpressung wurde Tricodur der Firma Tricosal verwendet. Tricodur ist ein
einkomponentiges, gebrauchsfertiges Bindemittel auf Feinzementbasis für Niederdruck-Injektion und wurde mit dem Tricosal-Mischcenter bei 4000 U/min gebrauchsfertig angerührt. Mit einer handbetriebenen Injektionspresse wurde das zementöse
Material in die Packer injektiert, bis die Masse aus den darüberliegendem Packer
austrat.
Nach Erhärtung der injektierten Masse wurden die Packer demontiert und zugeputzt.
Sämtliche losen Teile der Basen wurden abgeschlagen, das Mauerwerk gereinigt, mit Bayosan Vorspritz Multi 61 vorgespritzt und anschließend mit Kalkzementmörtel gemäß der vorhandenem Struktur geputzt.

Die halbrunden Säulen wurden zu etwa 60% abgeschlagen, lose Fugen ausgekratzt und mit einem Bayosan Vorspritz Multi 61 vorgespritzt. Nach ausreichender Erhärtung des Vorspritz wurden die Säulen entsprechend der ursprünglichen Form mit Kalkzementmörtel zweilagig, in Teilbereichen aufgrund der geringen Putzdicke nur einlagig geputzt und glatt gerieben.

Die durch die Bauleitung als schadhaft festgelegten Fassadenstücke wurden mittels Winkelschleifer eingeschnitten, abgeschlagen, vorgespritzt und die profilierten Nuten nachgezogen. Die Bossen wurden mit Kalkzementmörtel ausgeputzt und die Oberfläche mittels einem Nagelbrett gemäß der vorhandenen Struktur hergestellt.
Gemäß der Ausschreibung wurde der gesamte Sockelputz abgeschlagen. Dabei
zeigte sich, daß der Oberputz wesentlich fester war als die zum Mauern verwendeten
Steine, so daß die Oberschicht der Steine beim Abschlagen mit abplatzten. Das
oberhalb des Sockels gelegene Sockelgesims ist in Teilbereichen aufgrund des festen Verbundes mit dem Sockel in einigen Eckbereichen mit abgefallen.
Die mittlere Putzstärke betrug 5 cm, wobei in Teilbereichen eine Putzdicke von bis zu
8 cm auftrat.
Nachdem der Putz abgeschlagen war, wurde das Mauerwerk von losen Bestandteilen mittels Stahlbesen gereinigt und die losen Fugen ausgekratzt.
Die Fläche wurde zu ca. 60% mit einem Bayosan Saniervorspritz vorgespritzt und
aufgrund der großen Putzdicken mit einem Bayosan Porengrundputz SA 68 als Unterputz
geputzt. Als Oberputz kam ein Bayosan Sanierputz fein SP 64 F mit einer Putzdicke
von 16 mm zur Anwendung.
Aufgrund der großen Putzdicke mußte gemäß der Herstellerangabe eine lange
Standzeit von ca. 40 Tagen zwischen dem Unter- und dem Oberputz eingehalten werden.
Die beim Abschlagen abgefallenen Sockelgesimsbereich wurden ebenfalls mit
Bayosan Sanierputz vorgeworfen und mit Kalkzementmörtel der Gruppe P II a gemäß vorhandener Struktur in Schablonentechnik gezogen.


Sämtliche Fehlstellen, Risse und nicht mehr erhaltenswürdige Fassadenteile wurden abgeschlagen und saniert. Da nicht die gesamte Fassadenfläche behandelt wurde, kann es trotz sorgfältigem Angleichen Strukturuntersciede zwischen den Alt- und Neuputzstellen geben. Aufgrund des speziellen Anstriches sind diese Unterschiede nach dem Abrüsten allerdings nicht zu erkennen.
Nach genügender Austrocknung der neu hergestellten Flächen muß die Fassade grun
diert und mindestens zweimal mit einem atmungsaktiven Anstrichsystems gestrichen
werden. Dies ist notwendig, um einen optimalen Schutz gegen Witterungseinflüsse zu
bieten und dem Mauerwerk ein Austausch von Wasserdampf zu ermöglichen.
Auf dem Sanierputz im Sockelbereich muß unbedingt ein hochatmungsaktiver Anstrich
aufgebracht werden, da sonst die Funktionen des Sanierputzes nicht gewährleistet
sind. Es ist zu bedenken, daß ein Sanierputz kein dauerhafter Schutz gegen Durch
feuchtungen des Mauerwerkes ist, da seine Aufnahmefähigkeit für aufsteigende Salze
begrenzt ist.
Die bestehende bzw. neu zu montierenden Zinkbleche müssen gegen eindringendes
Wasser dauerhaft geschützt werden.